Blick hinter die Kulissen
15. Dezember 2011 – 15:35
Zu vielen Bereichen auf den Kreuzfahrtschiffen bleibt den Passagieren der Zutritt verwehrt. Aus Kindertagen weiß jeder, dass gerade das Verbotene den größten Reiz und besondere Neugierde auslöst. Und deshalb kann auf zahlreichen Ozeanriesen mit professioneller Begleitung ein Blick hinter die Kulissen geworfen werden.
Einmal mit dem Kapitän auf der Brücke stehen, dem Koch in der Großküche über die Schulter schauen, wenn er einzigartige Speisen für eine Vielzahl von Gästen kreiert, oder den eindrucksvollen Maschinenraum kennenlernen. Für einige Kreuzfahrer wirken diese Erfahrungen weitaus attraktiver, als den ein oder anderen öffentlich zugänglichen Bereich des Schiffes zu erkunden.
Was allen Teilnehmern dieser Rundgänge als erstes auffällt, ist der große Kontrast zwischen den beiden Lebensmodellen an Bord: Dass die Arbeit auf dem Schiff in keiner Weise vergleichbar ist mit dem entspannenden Urlaub, den die Reisenden hier weitab von allen Verpflichtungen verbringen, ist zwar vor der Tour jedem klar. Doch einen solchen Hochbetrieb, in dem Ausmaße wie er sich Tag und Nacht in allen Servicebereichen abspielt, stellt sich kaum jemand vor:
Beeindruckend wirken vor allem die Dimensionen, die sich im Zuge der Führungen offenbaren. Auf der Voyager of the Seas beispielsweise, die mit ihren knapp 4.000 Passagieren lange Zeit als das größte Kreuzfahrtschiff auf den Weltmeeren unterwegs war, müssen täglich etwa 10.000 Mahlzeiten zubereitet werden. Vor einer zweiwöchigen Transatlantikfahrt sorgt der Versorgungsoffizier dafür, dass unter anderem 60 Tonnen Gemüse, 40 Tonnen Früchte, 30 Tonnen Fleisch und 15 Tonnen Fisch vorrätig sind. Weiterhin verbrauchen die Gäste auf einer solchen Reise 9.000 Liter Milch, 2.600 Liter Eiscreme und 4.200 Becher Joghurt. Dass es angesichts dieser Mengen in der Küche niemals zum Stillstand kommt, ist fast überflüssig zu erwähnen.
So gut wie keine Freizeit haben auch die Servicekräfte, die sich um die Reinigung der Kabinen und um die Aufgaben in der Wäscherei kümmern. Ein Zimmermädchen ist auf der Voyager für 20 Kabinen zuständig, die zweimal pro Tag gereinigt werden. Bei einer Viertelstunde, die im Durchschnitt für jede Kabine eingeplant ist, entspricht das einem Zehn-Stunden-Arbeitstag, über den es aber in den meisten Fällen hinausgeht. Ähnlich hektisch geht es auch in der Wäscherei zu, denn dort müssen an jedem Tag über 15.000 Wäschestücke – sowohl die der Passagiere als auch der Crewmitglieder – gewaschen werden.
Ebenfalls zur Verwunderung gereicht die Tatsache, dass der Zustand im Maschinenraum bei Weitem nicht den allgemein verbreiteten Vorstellungen von dreckiger, schweißtreibender Arbeit entspricht. Auch hier läuft heutzutage alles mit Hilfe modernster Technik ab, rund um die Uhr verfolgen die Ingenieure Messwerte fast ausschließlich am Bildschirm.
Ganz egal, auf welchem Kreuzfahrtschiff der Reisende einen solchen Rundgang auch mitmachen sollte, der spannendste Aufenthalt ist derjenige auf der Brücke, ein Bereich, der eigentlich dem Kapitän vorbehalten ist. Hier erhalten die Passagiere Einblick in die Steuerung des Schiffes und Informationen zur Navigation – ganz zu schweigen von dem fantastischen Ausblick, der sich von diesem Punkt auf die unglaubliche Weite des Ozeans bietet.